Navarasa   Hörproben
Navarasa   Querschnitt

 

„Ravi Shankar verband Kontinente in dem Versuch die London Symphony mit der Sitar quer zu schalten. Die Sitar stand allein, getrennt in unguter Verbindung ... wie wundervoll war dagegen OREXIS und ihre harmonische Mischung von Instrumenten und Stilen. Sitar und Tablas schmerzten nicht in den Ohren.”  
Colombo Daily News 24.9.83

 

Die Navarasas sind die 9 grundlegenden Gefühle, welche viele Abwandlungen und Vermischungen mit anderen Gefühlen haben. Shringara, die Sehnsucht entspricht OREXIS und beinhaltet die drei Arten der Liebe, Erotik, Mutter- und Gottesliebe. Im Musikblatt 1/92 schrieb ich über die Navarasas: „Gefühle sind körperliche ‚Re-Aktionen’ auf äußere und innere Einflüsse. Sie können von der Seele und dem Geist beeinflusst, gesteuert werden ... Wenn Gefühle und Verstand beherrscht und harmonisiert sind, entsteht Magie.“ Der westliche Mensch hat gewöhnlich kaum Zeit sich mit ihnen zu befassen, und so werden sie häufig gegen ihn verwendet. Als die Bharata Natyam Tänzerin Caroline Gebert Khan sie vertanzen wollte, entwarf ich die Musik so, dass ich sie selbst ausführen konnte. NAVARASA hatte mit ihr und Heike Moser (Kutiyattam Sanskrittheater) im LTT Tübingen Premiere, und anschließend war es naheliegend die 9 Gefühle, konzertant erweitert und mit Tablas, darzustellen. Nr.1 basiert auf dem Raga Kirwani (Die bedingungslose Liebe des Riesen zu seinem Herrn Shiva wird dargestellt), hat aber schon einige unindische harmonische und zweistimmige Ansätze. Sie korrespondiert mit dem Mut, erscheint im Frieden in Dur. Auch die 3 gegen 2 – Polyrhythmik von Nr.4 ist hier schon angedeutet. Für den Humor benutzte ich eine Präparierung auf der neuen Sitarval (auf der Harmonien und Mehrstimmigkeit möglich sind), und der korrespondiert mit Nr.8, dem Staunen. Die sechs ‚positiven’ Gefühle umrahmen die drei ‚negativen’. Besondere Maßnahmen erforderte der Ekel. Das Spiel mit dem Bogen zeigt auch die Faszination des Hässlichen und auch die Angst ist ‚con arco’. Das ist für die Sitar, wie vieles andere auf dieser CD, Neuland. Da Friede erst entsteht, wenn alle Gefühle harmonisiert sind, taucht die Sitar da braccio als ‚Sitarangi‘ hier zum dritten Mal auf. 

Jaffar Khan wurde 1973 in Jaipur geboren und lernte früh bei seinem Vater, dem legendären Hidayat Khan, Tablas. Mit vierzehn nahm ihn einer der berühmtesten Sitarspieler, Pandit Arvind Parikh, unter die Fittiche. Er gab mit diesem und zahlreichen anderen Meistern Konzerte und spielt auch regelmäßig in Europa. Daneben arbeitete er  mit Fusionbands und für Bollywoodfilme.