Zen on Bach   Hörproben
Zen on Bach  

Bach Jesu, meine Freude

Präludium-Fuge-Allegro

 

Werke von Bach sind wegen ihres hohen kompositorischen und spieltechnischen Niveaus auf jedem Instrument eine Herausforderung. Sie zeigen, in welchem Maß der Interpret die Werke durchdrungen hat und man nähert sich ihnen am besten in der von Herrigel in ‘Zen in der Kunst des Bogenschießens’ beschriebenen Art. Nachdem ich viele Bachwerke, auch als Examenspflichtstücke (Nr. 15-16), gearbeitet hatte, wendete ich mich G. F. Händel zu, der von den Gitarristen fast vollständig ignoriert wird und erschloss der Gitarre ein großes Repertoire (Händelbuch und CDs bei LOVE ALL MUSIC).
Bach spielte ich erstmals im Auftrag einer Plattenfirma ein, die zu einer Einspielung von Bachchorälen Zwischenmusiken bestellte (Nr. 1-3, 13, 14, 17), zu denen ich auch eine Terzgitarre (kleine Terz höher) verwendete und zwei meiner Choralbearbeitungen aufnahm, welche nun den Rahmen von ZEN on BACH bilden. Später nahm ich für die CD ‘Fugas’ die Nr. 4 - 6 und 15 - 16 auf, bei denen ich großen Wert auf eine plastische Darstellung der Bachschen Motivik legte, zu der eine konsequente Phrasierung und dynamische Zeichnung gehört. Präludium - Fuge - Allegro Es-Dur ist ein engmaschig gestrickter Zyklus, dessen Thema in der Fuge in Vierteln vorgestellt wird, sich in den Achtel- und Sechzehntelbewegungen vielfach wiederfindet, natürlich auch die Rahmensätze dominieren. Im Durchführungsteil dient es als Bass, über dem Bach seine Variationskunst ausbreitet.
Als mich 2012 die befreundete Bharata Natyam Tänzerin Caroline Gebert-Khan bat, ihre Choreographie der Lautensuite Nr.1 für die Stuttgarter Kirchennacht zu begleiten, war das Repertoire zur vorliegenden CD komplett. Diese Suite findet sich bei dem Bachschüler Johann Ludwig Krebs, von dem Bach sagte, er sei ‘der beste Fisch im Bach’! Krebs war ein hervorragender Lautenist und hat einige Konzerte für Laute und Streicher verfasst, von denen ich schon 1976 eines mit dem Schwäbischen Kammerorchester für den SDR aufnahm. Da Bach Krebs auch Unterweisungen auf der Laute testierte, kann man davon ausgehen, dass diese Suite dabei entstanden ist. Bei der Einspielung ging es mir nun auch um ein improvisatorisches Moment, das bei Bachinterpretationen, wegen der eingangs beschriebenen komplexen Problematik, meist gar nicht vorkommt. Zunächst musste ich einige satztechnische Mängel beheben, welche bei Übertragungen auf die Gitarre entstehen. Oft wird die Stimmführung, wegen den fehlenden Bässen der Gitarre, der Spielbarkeit geopfert und wegen den Oktavierungen entstehen musikalisch unsinnige Passagen. Bei den Verzierungen kamen mir meine Händelstudien zugute, da bei Händel sehr viel mehr in einem voreditorischen Zustand ist als bei Bach. Händel hat nämlich nur die erste Ausgabe seiner Klavierwerke selbst betreut. Hatte ich damals das Motto formuliert: ‘Man muss Bach studiert haben um Händel spielen zu können’, so konnte ich nun die erworbenen freieren Fähigkeiten wieder Bach zukommen lassen. Im Barock war es zudem üblich, solche Suiten zu improvisieren und wenn man fertige Kompositionen spielte, zeigte man diese Improvisationsfreude in eigenen Verzierungen und melodisch-harmonischen Veränderungen, die man mindestens in den Wiederholungen anbringen durfte. Dies gilt besonders in der oft nur angedeuteten Sarabande, bei der ich hier auch noch den Lautenzug des Cembalos imitiere. Zu den, auch oft nicht beachteten Selbstverständlichkeiten, gehören binnenrhythmische Feinheiten wie Hemiolen (aus zwei Dreiertakten werden drei Zweiertakte), mit welchen Bach und Händel sehr variantenreich umgingen und die richtigen Tempi. Oft wird die langsame Allemande schnell und die schnellere Courante langsamer gespielt. Geistreich ist auch die Einblendung der Bourrée am Ende der Courante (welche ich in der Wiederholung noch ausdehne) und die Bezüge zwischen Bourrée und Gigue, welche im doppelten Tempo mit diesem spielt.
Die Aufnahmen dieser CD sind eine Verneigung vor dem großen Barockmeister und zeigen vier Jahrzehnte Auseinandersetzung und Reifung meiner Bachinterpretationen. Die Bilder von Martin Hermann greifen Bachs Wortspiel um J.L.Krebs auf.  ZEN on BACH im Bach des Dontals bei Gutenberg.